Studierende haben so viel Geld wie noch nie...

Ein Studierender der Fokusgruppe (siehe Text unten) hat durchschnittlich 918€ pro Monat zur Verfügung, das sind 76€ mehr als noch 2012, real liegt die Steigerung aber bei nur 6%. Dabei ist entscheidend, dass Eltern ihre Kinder (Haupteinnahmen durch die Eltern bei 51%) immer stärker finanziell unterstützen, besonders in Form von Barzahlungen, aber auch der Anteil der Studierenden die arbeiten müssen ist von 22% (2012) auf 26% gestiegen, es werden durchschnittlich 385€ verdient. Der Anteil der Studierenden mit BAföG ist um fünf Prozentpunkte auf 12% gesunken. Kinder aus Akademikerfamilien haben durchschnittlich rund 40€ mehr zur Verfügung, als andere Studierende. Insgesamt haben Studierende mehr Einnahmen – nur wo bleibt das Geld?

Die höchste finanzielle Belastung sind Kosten der Unterbringung, der Durchschnittswert liegt bei 323€, das sind 27€ mehr als noch 2012; die Wohnpauschale liegt im BAföG-Satz bei 250€ (aktueller Satz), Studierende die auf BAföG angewiesen sind, haben schon jetzt ein riesiges Loch im Säckl. Der aktuelle Wohnspiegel in Osnabrück für Wohnungen bis 40m2 liegt bei 9,57 pro m2 , das ist eine Steigerung von über 1,20€ innerhalb von 5 Jahren, diese Entwicklung ist zu stoppen, denn nicht nur Studierende sind davon betroffen. Es trifft Singles und Geringverdiener der ganzen Stadt, schon heute müssen immer mehr Menschen die Innenstadt verlassen – die Miete ist nicht mehr bezahlbar. Gentrifizierung betrifft nicht nur Berlin, Hamburg und München, auch hier in Osnabrück werden Menschen zusehends verdrängt. Wir bestehen darauf den sozialen Wohnungsbau weiter auszubauen, umso die Konkurrenz zwischen den Studierenden und Bewohner*innen der Innenstädte zu verhindern, denn gestiegene Studierendenzahlen stellen Städte vor immer neue Herausforderungen.

Der Erhebungszeitraum lag im März- August 2016 und es gab eine Erhöhung der BAföG-Sätze zum WS 2016/17, nur was nutzt das bei den Wenigen die BAföG beziehen? Weiterhin steigt der Höchstsatz für Alleinwohnende um nur 45€ auf 735€, damit kann noch nicht einmal die Mietsteigerung und Erhöhung der Kosten für die Gesundheitsversorgung und Ernährung gedeckt werden. Sofort muss jedoch die Versorgung und finanzielle Unterstützung von erkrankten Studierenden verbessert werden, denn es sehen nur 49% dieser ihren Lebensunterhalt als gesichert an. Es ist nicht akzeptabel, dass Studierende ihre Ressourcen solchen Problemen widmen müssen, die sie eigentlich zur Erreichen eines besseren Gesundheitszustandes oder ihrer Studienziele benötigen.

Studierende sparen an Kleidung, Lehrmitteln und Kultur& Freizeit, das zeigen uns die aktuellen Zahlen. Wir akzeptieren dies alles nicht. Wir fordern die Politik des Bundes und des Landes auf, die Studierenden mit finanziellen Mitteln, sowie angemessenem, kostengünstigem Wohnraum, Infrastruktur und Sachmitteln auszustatten. Universitäten und Studentenwerke benötigen höhere Mittel um alle Studierenden angemessen betreuen zu können. Der Bund hat komplett die Finanzierung der Bundesausbildungsförderung übernommen, nun müssenwirkliche Taten folgen – Studienfinanzierung für Alle. Gleiche Bildungschancen für alle bedeuten auch eine finanzielle Gleichstellung aller. Studienerfolg kann nur mit einer gesicherten ökonomischen und somit sozialen Situation eintreten, wir wehren uns gegen den Ausverkauf der tertiären Bildung durch die Hintertür.

 

Zur Vergleichbarkeit wurden die finanzielle Situation nur innerhalb einer Fokusgruppe erhoben.

Fokustypen sind Studierende, die

(1) nicht verheiratet sind

(2) allein wohnen/ wirtschaften (nicht in der elterlichen Wohnung leben)

(3) keinen Hochschulabschluss besitzen (ausgenommen Masterstudierende) wirkliche Taten folgen – Studienfinanzierung für Alle. Gleiche Bildungschancen für alle bedeuten auch eine finanzielle Gleichstellung aller. Studienerfolg kann nur mit einer gesicherten ökonomischen und somit sozialen Situation eintreten, wir wehren uns gegen den Ausverkauf der tertiären Bildung durch die Hintertür.