Forschungsbericht zur Situation internationaler Studierender // Scientific report regarding the situation of international students
Umfrage zur Situation und zum Wohlbefinden internationaler Studierender an der Universität Osnabrück
Im folgenden Bericht veröffentlichen wir die zentralen Ergebnisse einer Online-Umfrage unter internationalen Studierenden der Universität Osnabrück. Die Befragung wurde im Juli 2024 von Studierenden des Masterstudiengangs Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen (IMIB) im Rahmen eines empirischen Forschungsprojekts durchgeführt und basiert auf den Antworten von 137 internationalen Studierenden. Ziel der Studie war es, die sozialen Erfahrungen, Herausforderungen und das Wohlbefinden internationaler Studierender zu erfassen und sichtbar zu machen.
Die Ergebnisse zeigen: Internationale Studierende sind ein wichtiger Bestandteil der Universität – gleichzeitig sind sie mit spezifischen strukturellen Herausforderungen konfrontiert, die ihr Studium und ihr Wohlbefinden erheblich beeinflussen. Viele dieser Probleme sind nicht individuelle Einzelfälle, sondern Ausdruck institutioneller und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
Zentrale Erkenntnis: strukturelle Herausforderungen verstärken sich gegenseitig
Die Umfrage macht deutlich, dass internationale Studierende besonders häufig mit mehreren, sich gegenseitig verstärkenden Herausforderungen konfrontiert sind. Dazu zählen vor allem:
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Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche
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komplexe und belastende bürokratische Prozesse (z. B. Visum)
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sprachliche Barrieren im Studium und Alltag
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soziale Isolation und erschwerter Zugang zu Netzwerken
Diese Faktoren treten selten isoliert auf, sondern wirken oft zusammen und verstärken sich gegenseitig. Gerade zu Beginn des Studiums entsteht so eine hohe Belastungssituation, die sich direkt auf das Wohlbefinden und den Studienerfolg auswirkt.
Sprache, Integration und Zugehörigkeit als Schlüsselprobleme
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Rolle von Sprache als strukturelle Zugangshürde. Sprachliche Unsicherheiten erschweren nicht nur den Studienalltag, sondern auch soziale Integration und Teilhabe am Campusleben. Gleichzeitig zeigt sich, dass soziale Einbindung – etwa durch Kontakte zu anderen Studierenden – eine entscheidende Ressource für das Wohlbefinden darstellt, jedoch ungleich verteilt ist.
Viele internationale Studierende berichten von Schwierigkeiten, Anschluss an deutsche Studierende zu finden, sowie von Einsamkeitserfahrungen. Damit wird deutlich, dass Integration nicht automatisch stattfindet, sondern aktiv unterstützt werden muss.
Rassismus und Diskriminierung als reale Erfahrung
Ein besonders kritischer Befund betrifft Erfahrungen mit Diskriminierung. Ein Teil der Befragten berichtet von rassistischen Erfahrungen – sowohl im Alltag als auch im universitären Kontext. Diese Erfahrungen wirken sich direkt negativ auf das Wohlbefinden aus und verstärken bestehende Unsicherheiten und Belastungen.
Damit wird klar: Internationale Studierende sind nicht nur mit organisatorischen, sondern auch mit sozialen und strukturellen Ungleichheiten konfrontiert.
Universitäre Angebote: vorhanden, aber nicht ausreichend wirksam
Die Ergebnisse zeigen zudem, dass viele bestehende Unterstützungsangebote der Universität entweder nicht ausreichend bekannt sind oder nicht als hilfreich wahrgenommen werden. Gleichzeitig äußern Studierende konkrete Wünsche nach:
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besser zugänglichen Informationen und transparenter Kommunikation
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mehr Unterstützung bei bürokratischen Prozessen
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niedrigschwelligen sozialen Angeboten zur Förderung von Kontakten
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erweiterten Sprach- und Integrationsangeboten
Dies deutet darauf hin, dass nicht nur neue Angebote notwendig sind, sondern auch bestehende Strukturen besser zugänglich und zielgruppengerechter gestaltet werden müssen.
Schlussfolgerung: Internationalisierung braucht Verantwortung
Die Universität Osnabrück verfolgt das Ziel der Internationalisierung und profitiert von der Vielfalt internationaler Studierender. Die Ergebnisse dieser Umfrage weisen jedoch darauf hin, dass Internationalisierung nicht bei der Einschreibung endet.
Internationale Studierende benötigen verlässliche Strukturen, die ihnen ein gutes Ankommen, soziale Teilhabe und ein erfolgreiches Studium ermöglichen. Ohne entsprechend gezielte Unterstützung drohen strukturelle Ungleichheiten verstärkt zu werden.
Vor diesem Hintergrund scheint es sinnvoll, die Situation internationaler Studierender stärker in den Fokus universitärer sowie außeruniversitärer Akteur*innen zu rücken. Insbesondere zeigen sich Ansatzpunkte für Verbesserungen beim Abbau bürokratischer und sprachlicher Hürden, der Förderung sozialer Integration sowie im Umgang mit (rassistischer) Diskriminierung.
Abschließend möchten sich die Autor*innen der Studie herzlich bei allen internationalen Studierenden bedanken, die an der Umfrage teilgenommen und ihre Erfahrungen mitgeteilt haben. Ohne ihre Offenheit und ihr Vertrauen wäre diese Untersuchung nicht möglich gewesen. Ein besonderer Dank gilt zudem dem International Office der Universität Osnabrück, das bei der Verbreitung der Umfrage maßgeblich unterstützt und damit einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Projekts geleistet hat. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, internationale Studierende aktiv einzubeziehen und ihre Perspektiven sichtbar zu machen – wir hoffen, dass sie als Grundlage für weitere Verbesserungen und einen konstruktiven Dialog innerhalb der Universität dienen.
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Survey on the Situation and Well-being of International Students at the University of Osnabrück
In the following report, we present the key findings of an online survey of international students at the University of Osnabrück. The survey was conducted in July 2024 by students on the Master’s programme in International Migration and Intercultural Relations (IMIB) as part of an empirical research project and is based on responses from 137 international students. The aim of the study was to document and highlight the social experiences, challenges and well-being of international students.
The results show that international students are an important part of the university – yet at the same time they face specific structural challenges that significantly impact their studies and well-being. Many of these problems are not isolated
individual cases, but rather a reflection of institutional and societal conditions.
Key finding: structural challenges reinforce one another
The survey makes it clear that international students are particularly often confronted with multiple, mutually reinforcing challenges. These include, above all:
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difficulties in finding accommodation
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complex and burdensome bureaucratic processes (e.g. visas)
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language barriers in studies and everyday life
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social isolation and limited access to networks
These factors rarely occur in isolation, but often interact and reinforce one another. Particularly at the start of their studies, this creates a highly stressful situation that has a direct impact on well-being and academic success.
Language, integration and belonging as key issues
A key finding of the study is the role of language as a structural barrier to access. Language-related insecurities not only make day-to-day student life more difficult, but also hinder social integration and participation in campus life. At the same time, it became evident that social integration – for instance, through contact with other students – is a crucial factor for well-being, yet is unevenly distributed.
Many international students report difficulties in connecting with German students, as well as experiences of loneliness. This makes it clear that integration does not happen automatically, but must be actively supported.
Racism and discrimination as a real experience
A particularly critical finding concerns experiences of discrimination. Some of the respondents report experiences of racism – both in everyday life and in the university context. These experiences have a direct negative impact on well-being and exacerbate existing insecurities and stress.
This makes it clear that international students are confronted not only with organisational inequalities, but also with social and structural inequalities.
University support services: available, but not sufficiently effective
The results also show that many of the university’s existing support services are either not widely known or are not perceived as helpful. At the same time, students have expressed specific wishes for:
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more accessible information and transparent communication
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greater support with bureaucratic processes
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low-threshold social activities to encourage socialising
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expanded language and integration programmes
This suggests that not only are new services needed, but existing structures must also be made more accessible and better tailored to the target groups.
Conclusion: Internationalisation requires responsibility
The University of Osnabrück is committed to internationalisation and benefits from the diversity of its international students. However, the results of this survey indicate that internationalisation does not end with enrolment.
Against this backdrop, it seems sensible for both university and non-university stakeholders to place greater focus on the situation of international students. In particular, there are opportunities for improvement in reducing bureaucratic and language barriers, promoting social integration, and addressing (racist) discrimination.
International students require reliable structures that enable them to settle in well, participate in society and succeed in their studies. Without appropriate, targeted support, there is a risk that structural inequalities will be exacerbated.
Finally, the authors of the study would like to extend their sincere gratitude to all the international students who took part in the survey and shared their experiences. Without their openness and trust, this study would not have been possible. Special thanks also go to the International Office at the University of Osnabrück, which provided significant support in disseminating the survey and thus made an important contribution to the success of the project. The results demonstrate how important it is to actively involve international students and to highlight their perspectives – we hope that they will serve as a basis for further improvements and constructive dialogue within the university.
